Eisfabrik Berlin - Mitte


früher Norddeutsche Eiswerke - bis 1995 Berliner Kühlhaus GmbH


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Bericht zum Bauplan Text von 1927 Bedeutung und Technik
der Kühlhäuser
Text 1995 extern:
Kühlhäuser Madrid umgebaut
Infotag Spaziergang
Bei einer Führung waren alle Gebäude auch von Aussen gut einsehbar

Appell für den Erhalt von Eisfabrik u n d Kühlhäusern Köpenicker Straße 40/41




Sehr geehrter Herr ....

vor kurzem wurde ich von der Bürgerinitiative zum Erhalt der alten Eisfabrik in der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte kontaktiert. Anlass dazu war, dass ich mich über Jahre intensiv mit Eiskellern und Kühlhäusern aus wirtschafts- und kulturhistorischer, industriearchäologischer, kulturgeographischer und denkmalpflegerischer Sicht beschäftigt habe.
Vor dem Hintergrund meiner umfänglichen Recherchen und Untersuchungen in Norddeutschland (aber auch weit darüber hinaus) sehe ich mit Besorgnis, dass das nicht nur für Berlin einzigartige architektonische Ensemble von Eisfabrik und Kühlhäusern aus der Zeit um 1900 möglicherweise in seinem Gesamtbestand gefährdet ist.

Ich hatte vorige Woche die Gelegenheit, den historischen Industriekomplex persönlich näher in Augenschein zu nehmen und war spontan höchst beeindruckt.
Meines Erachtens würde durch den derzeit geplanten Rückbau der zugehörigen, in dieser Form singulären Hochkühlhäuser eine einzigartige Chance vertan. Gerade der Umstand, dass beide technischen Einheiten noch erhalten sind, ermöglicht erst ein historisches Verständnis dieser für die Versorgung der expandierenden Großstädte im späten 19./frühen 20. Jahrhundert konstitutiven Gewerbebauten.

Da es weltweit kaum noch Hochkühlhäuser, schon gar nicht dieses frühen Typs und zudem in Verbindung mit einer Eisfabrik gibt, wäre die denkmalverträgliche, abgestimmte Konversion von Eisfabrik und Kühlhäusern aus wissenschaftlicher Sicht in höchstem Maße begrüßenswert.

Darüber hinaus bin ich der festen Überzeugung, dass sich daraus auch für die künftigen Bewohner und den in seiner historischen Stadtstruktur durch den Zweiten Weltkrieg arg in Mitleidenschaft gezogenen Stadtteil ein größerer Mehrwert ergeben würde. Dass sich der besondere Charme des zukünftigen Wohn- (und Gewerbe?-)-Komplexes erst durch die Umnutzung der Kühlhäuser einstellen würde, liegt m. E. auf der Hand.
Und dass der Umbau eines Kühlhauses durchaus im Bereich des Machbaren liegt, belegt das Beispiel des großen historischen Hafenkühlhauses im Vieux Port von Montréal, Kanada, das vor wenigen Jahren zu einer Hotel- und Appartment-Anlage mit zahlreichen Wohneinheiten umfunktioniert wurde (Architekt Michelange Panzini).

Sehr geehrter Herr ..., sofern ich einen Beitrag zur Erzielung einer Win-Win-Lösung im Sinne aller Projektbeteiligten und natürlich des Denkmals leisten kann, will ich dies gerne tun und stehe als Berater zur Verfügung. Die Sache würde den Einsatz sicherlich lohnen!

Mit bestem Dank und Gruß

Dr. Stephan A. Lütgert M. A.


Hamburg, den 07.07.2008

Literatur: Ders., Eiskeller, Eiswerke und Kühlhäuser in Schleswig-Holstein und Hamburg. Ein Beitrag zur Industriearchäologie und Kulturlandschaftsforschung (Husum-Verlag, Husum 2000).

Ergänzung durch uns:

Ein Beispiel für den kompletten Erhalt der historischen Kühlhäuser bietet eine europäische Hauptstadt, die den gesamten Komplex sanierte und der Öffentlichkeit zur Nutzung zur Verfügung stellt.

2010... Gegen den Widerstand von örtlichen Initiativen und Verbänden, der Fraktion der Grünen von Berlin-Kreuzberg/Friedrichshain und Berlin-Mitte, der Stadtbaudirektorin Regula Lüscher, der Vorsitzenden des Ausschusses für kulturelle Angelegenheiten im Berliner Abgeordnetrenhauses, Alice Stöver, aber auch bundesweit aggierender Verbände wie der Bundesstiftung Baukultur, dem Bund Deutscher Architekten, aber auch von Bundestagsabgeordneten von SPD und CDU, der Bundestagsfraktion der Grünen sowie dem stellvertretenden Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse beginnt die TLG Immobilien GmbH im Mai 2010 mit dem Abriss der denkmalgeschützten bis Dato ältesten Kühlhäuser Europas, den ersten Kühlhäusern Berlins und damit mit der Zerstörung des Denkmalensembles.


Kein Abriss der Eisfabrik!!!! Kein Abriss der Kühlhäuser!!!


E-Mail

eisfabrik@berlin-eisfabrik.de