Die Kühlhäuser der Norddeutschen Eiswerke


Ein Text (gekürzt) zum Grundriß


Vielen Dank für den Literaturtipp an den Verein "Berliner Unterwelten"
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Appell zum Erhalt
der Kühlhäuser
Gegen die Abrisspläne historischer Bauplan Text von 1927 Text von 1995 Bedeutung und Technik
der Kühlhäuser
extern:
Kühlhäuser Madrid umgebaut



Kühl= und Gefrierhaus der Norddeutschen Eiswerke in Berlin.


Während der Oktober=Tagung wird am 11. Oktober ein Ausflug nach dem Kühl= und Gefrierhaus der Norddeutschen Eiswerke in der Köpenickerstrasse 40/41 unternommen, und es ist daher wohl angebracht, über diese eigenartige Anlage vorher schon Einiges zu erfahren.

Das riesige Haus von 43 m Länge und 34 m Breite mit sechs Stockwerken übereinander-einschließlich des Kellers- enthält 24 Abtheilungen.
In jedem Stockwerk läuft vor denselben ein breiter Korridor entlang, und an den Außenseiten dieser Flure befinden sich in den gleichen Abständen drei elektrisch betriebene Fahrstühle für den Waarentransport. Die Wände sind nur so stark ausgeführt, wie es für einen kräftigen tragfähigen Speicher nothwendig ist, nachträglich sind dieselben gut isolirt, ebenso wie die Kellersohle und die Decke des obersten Stockwerkes gegen Wärmeeinstrahlung geschützt sind.

Die Temperatur in diesen Kühlräumen muß wesentlich niedriger gehalten werden, als es in den Lagerkellern üblich ist;
die kältesten Abtheilungen stehen auf -6 C., die wärmsten auf 0.

In dem Hause kann sich Jedermann nach Bedarf größere oder kleinere Kammern miethen und darin Stoffe jeder Art beliebig lange lagern, wieder herausholen, durch neue ersetzen usw. Sogar zwei einzelne Hasen, die man im Dezember von der Jagd mitbringt, kann man in das Kühlhaus hängen, welches sie ein halbes Jahr gegen eine geringe Gebühr aufhebt, um sie an seinem Geburtstag im Juli seinen überraschten Gästen ohne den geringsten Hautgout vorzusetzen. Die Hallen sind den ganzen Tag über für die Miether zugänglich. Fische, Wild und dergleichen müssen am kältesten,
nämlich bei 6C., Eier und Butter am wärmsten bei 0 lagern um sie lange zu erhalten.
Frische Blumen bleiben bei -1C am längsten frisch. Die Werthe, welche in dem Kühlhaus aufgestapelt werden, sind ganz bedeutend; an dem Tage meines Besuches war z.B. allein für eine dreiviertel Millionen Mark Kaviar vorhanden.

Daraus ist zu ersehen, welchen hohen Werth dies Kühlhaus auf die absolute Zuverlässigkeit der Kühlmaschine legen muß, und welches Vertrauen die Direktion der Norddeutschen Eiswerke zu dieser Betriebssicherheit der angewendeten A b s o r p t i o n s m a s c h i n e besitzt.

Bis vor 25 Jahren waren in Deutschland fast ausschließlich Ammoniak-Absorptionsmaschinen als Kältemaschinen im Gebrauch. Dieselben wurden von dieser Zeit ab durch den Ammoniak-Kompressionsmaschinen immer mehr verdrängt, derart, daß sie in letzterer Zeit beinahe ganz vom Markte verschwunden waren. Die Kompressionsmaschinen gebrauchten weniger Dampf bezw. Kohlen und galten als zuverlässiger, dazu kam von vornherein eine bessere konstruktive Durchbildung und eine ganz vorzügliche Ausführung seitens der Augsburger Maschinenfabrik, welche die meisten Kompressionsmaschinen gebaut hat.

Man gewann deshalb die Meinung, die besseren Eigenschaften der Ammoniakkompressionsmaschinen lägen am System, und verließ den Bau der Absorptionsmaschinen fast ganz. Wie aber schon oft ein todt gesagtes Kind zu neuem Leben erwacht ist und dann zu einem kräftigen Manne auswächst, so geht es vielleicht auch mit der Absorptionsmaschine.
Diese neue Maschine in dem Kühlhause stellt zweifelsohne einen wesentlichen Fortschritt im Bau von Kühlhaus dar, sowohl was Bauart und solide Ausführung als auch vor Allem, was geringeren Kohlenverbrauch anbelangt.

Die Maschinen sind von der Halleschen Maschinenfabrik und Eisengießerei in Halle a. S. gebaut; ..., genießt in anderen Industriezweigen, z.B. dem Zuckerfach, einen vorzüglichen Ruf und wird auch sonst durch die sozialen Einrichtungen für ihre Arbeiter u.s.w. vielfach als mustergiltig hingestellt. Die Fabrik herangemacht und wird diese voraussichtlich in gleich vorzüglicher Weise ausführen wie die Augsburger Maschinenfabrik, so daß dieser ein neuer, gewiß unbequemer Konkurrent entsteht. Wir können es aber nur mit Freuden begrüßen, wenn immer mehr auch norddeutsche Maschinenfabriken allerersten Ranges den Kühlmaschinenbau aufnehmen. Die Fabrik hat die Ansicht, daß kleinere Anlagen als Kompressionsmaschinen, größere dagegen d.h. Von 100 000 W.=F. stündlicher Leistung aufwärts als Absorptionsmaschinen ausgeführt werden müssen. Für letztere garantirt sie so günstige Dampfverbrauchszahlen (360 W.=F. kalorische Leistung für 1kg Dampf von 4 Atmosphären Spannung), wie sie selbst bei den bekannten Münchener Versuchen nicht erreicht worden sind.

In dem Maschinenhause sind zwei neue und eine alte von der früheren Firma Vaaß & Littmann herrührende Absorptionsmaschinen aufgestellt. Sämmtliche Maschinen sind bis zu ihrer vollen Leistung auch zur Eiserzeugung eingerichtet, sodaß jede der drei Maschinen entweder zum Kühlen der Räume oder zur Eisbereitung verwendet werden kann. Für den ersten Zweck ist während des Sommers nur eine Maschine Tag und Nacht im Betriebe, in der kälteren Jahreszeit natürlich eine entsprechende kürzere Zeit während des Tages. Die auf -11 bis -12C. abgekühlte Chlorcalciumlösung wird durch vier Peniger Kapselpumpen in die Kühl- und Gefrierräume befördert. Sie giebt dort in sechs Abtheilungen ihre Kälte durch Röhrenkühlung, wie es in Brauereien üblich ist, ab; die übrigen Abtheilungen werden durch Tellerkühlung kalt gehalten, indem in geeigneten Apparaten die Luft aus den einzelnen Abtheilungen über die auf großen Blechflächen (Teller) offen entlanglaufende Chlorcalciumlösung geleitet wird und aus dieser die erforderliche Kälte aufnimmt.

Das Kühlwasser für die Maschinen wird mittelst einer Peniger Pumpe aus einem Rohrbrunnen geschöpft. Die zur Beleuchtung nothwendige Elektrizität wird durch eine Dynamomaschine erzeugt. Die Dampfanlage besteht aus zwei gewöhnlichen Flammrohr=Kesseln zu 90 qm Heizfläche, davon dient einer zur Reserve und zwar auch noch dann, wenn zwei Maschinen eine als Kühlmaschine, die andere als Eismaschine im Betriebe sind.

Den Erwartungen der Norddeutschen Eiswerke hinsichtlich der Betriebssicherheit, des Kohlenverbrauchs und der sonstigen Betriebskosten haben die Maschinen nach jeder Richtung hin entsprochen. Die ganze Kühlanlage gebraucht im Sommer täglich mit 24 Betriebsstunden 68 70 Centner oberschlesische Würfelkohle. Dieses auffallend geringe Kohlenquantum in Verbindung mit dem geringen Anlagekapital für die Maschinen hat mich besonders veranlaßt, die Aufmerksamkeit auf diese Maschinen zu lenken. Erst wenn man einen Vergleich anstellt mit dem Kohlenverbrauch ähnlicher Anlagen z.B. für das neue Kühlhaus auf dem Schlachthofe in Berlin kann man die hohe Bedeutung dieser Absorptions-Maschine erkennen.

Die Gesammtbodenfläche der gekühlten Abtheilung auf dem Berliner Schlachthofe in Berlin ist ungefähr halb so groß, als in den Norddeutschen Kühlhause und die darin gehaltenen Temperaturen mit + 2 C. nicht unwesentlich wärmer. Der Kohlenverbrauch beträgt dabei für den Tag rund 144 Centner oberschlesische Würfelkohle, also reichlich das Doppelte.
Der maschinelle Theil des Kühlhauses auf dem Schlachthofe einschließlich Dampfkessel hat rund 430 000 Mk. gekostet, während die Kostendes maschinellen Theils der über doppelt so großen Kühl= und Gefrierhauses der Norddeutschen Eiswerke, ebenfalls einschließlich der Dampfkessel, nur zwei Drittel dieser Summe, nämlich 290 000 Mk., betrugen.


Aus diesen beiden Zahlen wird man die Nothwendigkeit ableiten müssen, daß der neuen Absorptionsmaschine wieder erhöhte Beachtung geschenkt werden muß.

Wir hoffen, daß wir in die Lage versetzt werden, eine eingehende Prüfung mit dieser Maschine durchführen zu können; unsere Leser werden dann noch Näheres darüber erfahren.

Kein Abriss der Eisfabrik (erledigt!) ! Kein Abriss der Kühlhäuser!!!


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eisfabrik@berlin-eisfabrik.de

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